Keiner liebt mich und was das mit meiner Geldbörse zu tun hat

Jetzt ist es bewiesen, keiner liebt mich. Selbst mein Kater nicht. Er will nicht mehr, hier bei mir sein. Schlimmer noch, er hat in mein Bett gemacht. Auf meine diversen Kopfkissen. Jetzt ist er draußen und will nicht mehr rein kommen. Was ist bloß  los, hat er Angst vor mir? Ja, ich war wütend und ja, es war schon ein bisschen wenig Streu im Katzenklo. Ich bin also hin und hergerissen zwischen meiner eigenen Schuld und der einer Katze, der man ja keine Schuld geben kann. In jedem Bericht über Tiere kommt klar zum Ausdruck, dreht das Tier durch, ist der Mensch der Auslöser. Ich bin also selber schuld.
Und ob es damit nicht genug währe und ich nach den 5 Maschinen Wäsche, nicht genug Stress gehabt hätte, wurde mir ausgerechnet an diesem Tag auch noch das Portmonee gestohlen. Nie hätte ich gedacht das mir so etwas passieren könnte. Komme gerade von der Polizei.

Also, mein Horrortag war Gestern. Hatte immer wieder meine Terrassentür aufgemacht aber er kam einfach nicht herein, mein Ruby. Spät abends klingelte dann meine Nachbarin bei mir an der Wohnungstür. Ich wusste ja, Ruby war bei Ihr gewesen, denn sie redet auf ihn ein, draußen vor ihrer Terrassentür. Und es machte mich verrückt , dass ER lieber bei Ihr ist. Bei IHR, die den lieben langen Tag, nur über andere lästert und selber so viel trinkt und raucht. Ich öffnete also meine Wohnungstür und Ruby kam tatsächlich herein, begleitet mit den giftigen Worten meiner Nachbarin, „DER SCHREIT DARUSSEN ALLES ZUSAMMEN“…… und dann noch mit Nachdruck …..“SEIT 3 STUNDEN“…..
Mir blieb der Mund offen stehen,  denn obwohl das so natürlich nicht der Fall war…. fühlte ich mich sofort wieder schuldig und ungerecht behandelt  zugleich, hatte eine unbändige Wut in mir. Da Sie,  mir sofort den Rücken zuwannte und verschwand, konnte ich nichts mehr entgegnen. Die richtigen Worte fielen mir sowieso nicht ein. Aber ich war außer mir. Meine Gefühle  überwältigten mich. Der geklaute Geldbeutel, das Katzenpipi in meinem Bett, die Nachbarin…..man war ich bedient an diesem Tag.

Vielleicht denkt der ein oder andere jetzt, Katzen machen doch sowieso was sie wollen. Wie kann man sich da so aufregen.
Und ich sage: „ja stimmt“ genau und deshalb kann mir ihre Reaktion auch so gut zeigen, was da gerade ab geht bei mir.
Denn sie sind nicht berechnend sondern rein Instinktiv, es ist deshalb auch nicht willkürlich, wie sie sich verhalten.

Also was geht da bei mir ab? Ich mache jetzt mal meine Achtsamkeitsübung:
Was fühle ich, ist da vielleicht ….. Einsamkeit ->Trauer, Eifersucht ->Wut, schlechtes Gewissen -> Scham

Und vielleicht ist das der Punkt, ich erwarte vielleicht im Moment jede Menge Zuneigung, von meinem Katerchen.

Mir ist natürlich längst klar wenn ich mich selbst nicht mag/liebe, tut es auch kein anderer. Und erst recht keine Katze.
Mann – dachte –  ich hätte schon so viel an mir gearbeitet und währe der Selbstliebe schon sehr viel näher gekommen. Aber dieser Vorfall zeigt mir gerade, das ich davon doch noch recht weit entfernt bin.

Auch wenn mir im Moment nicht sofort klar wurde, wo genau ich da im Unreinen mit mir war. So ist es dennoch eine überraschende Tatsache, dass just in dem Moment wo ich jetzt über Selbstliebe schreibe, die Polizei anruft. Mein Geldbeutel wurde gefunden. Und das ist wirklich ein ganz großes Glück….. nicht wegen dem Geld sondern wegen den ganzen Papieren, Karten und Ausweisen ….

Ist das jetzt Zufall?
Im Grunde egal. Dennoch wichtig, sobald ich „bei mir bin“ und keine Erwartungen habe, die Börse hatte ich abgeschrieben, geschehen scheinbar Wunder.

Mal schaun`, ob mein Kater zu mir zurück kommt wenn ich ihn „loslasse“ ….. und da komme ich an meine Grenzen …… das fällt mir verdammt schwer.

Denn jetzt wird mir so langsam noch bewusster, was los ist, dahinter steckt ein unerfüllter Wunsch nach Nähe! Und jetzt wird es echt verrückt, ab hier wird es bekloppt…. denn es fällt mir wirklich schwer, zu zugeben was hier bei mir gerade ab geht. Denn mir fällt ein,  – oh,  ist mir das peinlich ! –  manchmal wenn ich meine Katze tadle, spreche ich ihn, ohne Absicht natürlich, spontan, mit dem Namen meines Sohnes an. Ich erschrecke dann total und habe – schon wieder – ein schlechtes Gewissen. Denn ich bin doch nicht die Frau, die sich eine Katze als „Ersatzsohn“ anschafft! Niemalsnicht! Deshalb wird mir auch nur zögerlich klar, dass ich auf meine Katze  – natürlich unbewusst –  meine unerfüllten Wünsche, nach Nähe, zu meinem Sohn, übertragen habe. Das ich so etwas tue, wollte ich mir einfach nicht eingestehen. Aber es macht Sinn, denn mein Kater spürt dieses Bedürfnis, dass ich ihn in meiner Nähe haben will. Meine Wut darüber wenn er bei der Nachbarin ist, bestätigt  dies zusätzlich . Denn Sie steht im übertragenen Sinne für die Stiefmutter, meines Sohnes. Die ihn mir weg genommen  hat. Für mich ist es unerträglich, wie ein jemand, der nach meiner Meinung nach, noch „schlechter“ ist, als ich, mir –  vorgezogen wird. Und ich werde eifersüchtig. Und auch das, kann ich nur schweren Herzens zu geben.

Unterm Strich….. ich lehne meine „Fehler“ – ich lehne meine Gefühle – ab. Und zwar weil ich sie als Fehler definiere.
Wenn ich z.B.: Eifersucht als Fehler wahr nehme, als etwas das man doch nicht ist, das man nicht tut und ich es deshalb nicht  sein will. Bedeutet das ich lehne Eifersucht ab. Da es mein momentanes Gefühl ist, lehne ich sogar mich selber ab. Da ich mich in diesem Moment mit dem Gefühl  identifiziert habe.

Ich mache nun meine Übung : Eifersucht anzunehmen:
Die Eifersucht ist nur ein Teil von mir, ein kleines Stück, das zu mir gehört. Aber ich bin nicht die Eifersucht, ich bestehe ja nicht nur aus der Eifersucht. – Das nennt man Disidentifikation. – Ich akzeptiere also, dass ich Eifersucht fühle. Halte inne, lasse das Gefühl da sein und beobachte mich. Beobachte….. reagiert vielleicht auch mein Körper?  spüre ich Schmerz, Enge, Druck….. fühle ich Trauer, Wut, Kleinheit…… alles darf da sein, alles ist Willkommen….. nichts wird bewertet, nichts wird unterdrückt. …. ich nehme mir jetzt Zeit für meine Gefühle, lasse sie da sein. Solange bis ich spüre, jetzt ist es genug.
Fertig.

Gedanken kommen immer wieder und gehen:
Ja ich weiß, Eifersucht ist nur ein Gefühl und kein Fehler. Denn dieses Gefühl, ist irgendwann in meinem Leben vollkommen berechtigt gewesen. Damals wurde ich schwer verletzt. Und diese Wunde ist nie verheilt. Jedesmal wenn ich jetzt in einer ähnliche Situation  bin,  kommt dieses Gefühl hoch, es wird stärker und stärker in mir, es wächst an und ich brauche mehr und mehr Energie das auszuhalten. Je mehr ich es weg machen, es unterdrücken will, je mehr Energie kostet es mich.

Genauso ist es mit dem Wunsch nach Nähe, dieser ist noch nicht gestillt.
Kann ich aktiv etwas tun um meine Bedürfnisse zu stillen, ja ich kann mich mit meinem Sohn verabreden, Menschen treffen, in einen Verein gehen und den Menschen denen ich begegne offen ins Gesicht blicken. Ja das kann ich tun.

Leider hat das auch nicht gereicht, mein Bedürfnis nach Nähe zu stillen, denn dieses Bedürfnis  ist so unglaublich groß.
Mein Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung ist enorm, gewaltig, es fühlt sich an wie unstillbar.
Klar ist, dass meine Erwartungen, in diese Menschen, die ich treffe, einfach alle überfordert. Und Rückzug ist das Resultat.

Was nun wieder zu tun ist, weiß  ich ja : und wieder meine Übung zur Annahme dessen was ist.
Mir bewusst zu machen, da ist ein ungestilltes Bedürfnis, das darf ich haben, innehalten und  das Gefühl, die Sehnsucht nach Nähe zu lassen, mich zurücklehnen und es spühren, dass ich Sehnsucht habe, nach Nähe. Weiter zu spüren welche Gefühle habe ich jetzt dazu………… Fertig.

Zum Schluss nicht zu vergessen, meinen Frieden zu machen. Mit meiner Nachbarin, ihr zu verzeihen. Anzuerkennen dass meine Nachbarin genauso viel wert ist, wie ich. Auch sie hat das Recht, ihre eigenen Fehler zu haben und zu machen. Mich anzugrenzen, dass es aber ihre Entscheidung  ist, ob sie sich um meinen Ruby kümmert oder nicht. Ich habe keine Schuld. Ich kann nun auch noch die Übung zur Annahme der Schuld machen.

Und hier stehe ich jetzt. Und sehe wie viele negative Gedanken, Selbstverurteilungen, Ablehnung anderer, hohe Erwartungen ich immer noch habe.

Mit mir selbst im reinen bin ich lange noch nicht.
Und ich stelle mir die Frage wie wichtig, bin ich mir selbst und was tue ich uneingeschränkt für mich, jeden Tag aufs neue?
Oder nehme ich mir nur hin und wieder Zeit für mich und meine Gefühle?

ruby_3_passig_gemacht

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